Atemschutz
Die bei einem
Brand entstehenden Gase stellen eine mindestens ebenso große Gefahr dar wie das
Feuer selbst. Die Haupttodesursache bei Bränden in Wohnungen sind nicht die
Flammen, sondern die entstehenden Atemgifte.
Durch moderne Kunststoffe in Möbeln, Polstern, Tapeten und Teppichen entstehen Gifte wie Blausäure, Kohlenmonoxid, Chlorwasserstoffe und Schwefeldioxid in großen Mengen.
Bereits wenige Atemzüge können eine tiefe Bewusstlosigkeit verursachen und zum Tode führen.
Um einen Brand wirkungsvoll bekämpfen zu können, müssen die Feuerwehrkameraden sich dem Brandherd möglichst weit nähern. Dadurch setzten sie sich großen Gefahren durch Atemgifte, Hitze und Flammen aus.
Um sich vor den Atemgiften zu schützen, müssen sich die Kameraden mit Atemschutz ausrüsten. Diese von der Umgebungsluft unabhängigen Atemschutzgeräte führen in Pressluftflaschen einen Luftvorrat von 1600 l mit sich. Dieser Luftvorrat ermöglicht es dem Feuerwehrangehörigen sich ca. 30 Minuten im Brandrauch aufzuhalten, den Brand zu bekämpfen oder vermisste Personen im Gebäude zu suchen.
Atemschutzgerät, hier in der Fahrzeughalterung
Schutz vor Hitze und Flammeneinwirkung bietet hingegen nur die Schutzkleidung.
Bis vor
wenigen Jahren trugen die Feuerwehrmänner lediglich eine dünne Einsatzbekleidung
aus einfachem Baumwollgewebe. Diese bot eingeschränkten, bei kritischen
Situationen nur ungenügenden Schutz.
Schutzbekleidung aus Baumwolle,
wie sie noch bis vor einigen Jahren im
Innenangriff getragen wurde
Beachte: Hals und Ohren sind ungeschützt
Neue High-Tech-Materialien wie z.B. Nomex® aus denen moderne Einsatzkleidungen gefertigt werden, bieten hier weitaus höheren Schutz.
Schutzbekleidung aus Nomex©
bestehend aus Einsatzüberjacke, Handschuhe, Einsatzüberhose,
Flammschutzhaube und Holland-Tuch
Beachte: Es gibt keine ungeschützte Hautstelle!
Kommt es bei einem Innenangriff zu einer der gefürchteten Rauchgasdurchzündungen oder Rauchgasexplosionen (wie eindrucksvoll in dem Spielfilm „Backdraft“ dargestellt ist) so ist das Verletzungsrisiko deutlich geringer, die Überlebenswahrscheinlichkeit der Atemschutzgeräteträger weitaus höher. Durch die modernen Materialien werden die Träger vor hohen Temperaturen und Flammeneinwirkung geschützt. Selbst Temperaturen >500°C können kurzfristig abgehalten werden.
Atmungsaktive Membranen aus GoreTex® oder SympaTex® ermöglichen es, dass Körperschweiss durch die Kleidung nach außen abgeführt werden kann ohne das Wasser oder Feuchtigkeit in die Kleidung eindringt.
Diese
High-Tech-Materialien haben aber ihren Preis. So kostet eine komplette
Schutzausrüstung bis zu 1000EUR, kann aber im Notfall das Leben der
Feuerwehrkameraden retten!
Lederhandschuh nach direkter Flammeneinwirkung (vorher - nachher)
(Quelle: www.Atemschutzunfaelle.de)
Diese Modelle wurden noch bis vor kurzem beim Innenangriff getragen.
Aber nicht
nur an die Schutzkleidung werden hohe Ansprüche gestellt, auch die
Atemschutzgeräteträger müssen den Anforderungen gewachsen sein
Die komplette Schutzausrüstung
wiegt bis zu 20kg.
Hinzu kommt das Gewicht der
feuerwehrtechnischen Ausrüstung.
Beachte: die Umgebungstemperatur
kann bis zu 100°C und mehr betragen.
Die Belastung ist bei Einsätzen enorm.
Stressfaktoren, das Gewicht der Einsatzausrüstung und die körperliche Arbeit erfordern von den Atemschutzgeräteträgern eine hohe körperliche Fitness und Ausdauer sowie eine optimale Ausbildung.
Nicht umsonst heißt es:
„Wo andere heraus rennen, rennen wir rein“
Durch die Hitze bei einem Brand steigen Rauch und Gase nach oben. Die Sicht ist in Bodennähe am besten und auch die Umgebungstemperatur ist in Bodennähe niedriger als an der Decke. Daher gehen Atemschutzgeräteträger kriechend, bzw. im "Entengang" vor. Hindernisse können besser entdeckt werden und auch ein Sturz ist fast ausgeschlossen.

Ein Atemschutztrupp geht im "Entengang" vor. Grundsätzlich wird mit Wasser am Rohr
vorgegangen um sofort mit der Brandbekämpfung beginnen zu können.
Bei dieser Übung wurde der Raum mit Disconebel verraucht. Bei einem Brand
ist die Sicht wesentlich schlechter. Bis hin zur absoluten Nullsicht.
Ein weiterer Vorteil ist, daß der Atemschutztrupp die Rauchschicht an der Decke immer im Sichtfeld hat. Sollte sich eine der gefürchteten Rauchgasdurchzündungen entwickeln, so kann der der vorgehende Trupp darauf reagieren. Rauchgasdurchzündungen (Flashover )oder Rauchgasexplosionen (Backdraft) entstehen, wenn der Sauerstoff in einem Raum durch das Feuer aufgebraucht wurde. Die Flammen verlöschen, aber die Temperatur in dem Zimmer ist immer noch sehr hoch. Wird jetzt Sauerstoff hinzugeführt, z.B. durch das öffnen einer Tür oder das zersplittern einer Fensterscheibe entzündet sich der Rauch und kann im Extremfall eine schwere Explosion verursachen. Um dieses zu verhindern, kühlen die vorgehenden Feuerwehrleute die Rauchschicht mit kurzen Wasserstößen ab. In den letzten Jahren ist die Gefahr von Rauchgasdurchzündungen stark gestiegen. Grund hierfür sind moderne Baustoffe im Wohnungsbau. Moderne mehrglasige Fensterscheiben und isolierende Türen zerplatzen bei Hitze nicht sofort. Dadurch wird dem Feuer der Sauerstoff entzogen und ein Flashover kann entstehen.