TFA, oder wieso man so verrückt ist und an einem solchen Wettkampf teilnimmt.

 

TFA- das Kürzel steht für „toughest firefighter alive“. Auf deutsch soviel wie „härtester lebender Feuerwehrmann“. Hierbei handelt es sich um einen Feuerwehrwettkampf bei dem hauptsächlich Kraft und Kondition gefragt ist. Entstanden ist er in den Vereinigten Staaten wo er sich seit vielen Jahren großer Beliebtheit erfreut. Anders als bei den Feuerwehrleistungswettbewerben bei denen ein Löschangriff nach Feuerwehrdienstvorschrift aufgebaut werden muss und somit der Ausbildungsstand und das Fachwissen unter

Beweis gestellt wird, wird beim TFA Wettbewerb die körperliche Leistungsfähigkeit gemessen.

Und das hat es in sich- aber der Reihe nach:

 

 

 

TFA- Toughest Firefighter Alive

 

 

das TFA Logo, das weckt den Tiger......

 

 

 

Vom TFA Wettbewerb hatte ich schon mal in der Zeitung gelesen, die Artikel aber eigentlich mehr oder weniger (un)interessiert überflogen. Mehr Interesse weckten die Urkunden, Artikel und Bilder in der Fitness-Tenne in Ellierode, da Thomas Ziaja, seines Zeichens Berufsfeuerwehrmann der BF in Göttingen, bei dem Wettbewerb schon viele male äußerst erfolgreich Teilgenommen hat.

Sollte ich da auch mal mitmachen? Nein, lieber nicht. Allen Anschein ist es doch mehr für die Sport-Cracks der Berufsfeuerwehren und meine Sportnoten in der Schule waren nie die Besten.

Aber trotzdem war doch der Gedanke geboren, einmal bei den Wettbewerben teilzunehmen. Auch wenn er im Hinterkopf ein unbeachtetes Dasein fristete. Wahrscheinlich wäre der Gedanke einer der vielen unerfüllten Gedanken geblieben, wenn ich nicht irgendwann mal beim Training in der „Tenne“ nebenbei geäußert hätte, dass ich mal beim TFA teilnehmen wolle. Diese Äußerung ist wohl nicht unerhört geblieben. Schon beim nächsten Training empfing mich Thomas mit den Worten „ Ich habe gehört du willst teilnehmen? Dann wärme dich schon mal am Ergometer auf! Ich passe dir deinen Trainingsplan an dem Wettbewerb an.“ Nun gab es kein zurück mehr. Die Geschichte nahm ihren Lauf. Der neue Trainingsplan hatte es in sich. Ich bekam Muskelkater an Stellen, wo ich noch nicht einmal wusste, dass dort Muskeln sind oder dass dort Muskeln hingehören. Und überhaupt, wenn dort Muskeln hingehören, wieso können die so wehtun?  Aber damit nicht genug. Immer wenn ich nach dem Trainingsintervall meinen Plan erfüllt hatte, wurde der nächste Plan noch schlimmer.

 

 

 

 Sogar zum Üben musste bezahlt werden!

 

 

Besondere Verwunderung brachte der Trainingspunkt „einmal die Woche im Rathaus Treppen laufen“ Auf die Frage ob das ein Scherz sein solle, antwortete Thomas nur lapidar“ Ich Scherze nie! Und nur zur Info: Ich meine nicht das hardegser Rathaus, sondern das Göttinger mit seinen 16 Stockwerken“ Worauf hatte ich mich da nur eingelassen. Je häufiger ich die Homepage des TFA Wettbewerbes anschaute, desto unwohler wurde mir.

 

Die Zeit verflog und auch im göttinger Rathaus war ich bestimmt kein Unbekannter mehr. Hätte mir der Hausmeister im obersten Stockwerk Getränke gereicht, ich hätte mich noch nicht einmal gewundert.

 

 

 

 

 

Wenigstens hatte ich freien Eintritt zum Messegelände

 

 

 

Aber der Termin rückte näher und die Nervosität stieg ins unermessliche. Dann war es soweit. Der 8 Juni, ein Mittwoch, war gekommen und es ging nach Hannover zum Messegelände der Interschutz. Hier fand der Wettbewerb über mehrere Tage statt. Mein Starttermin war um 15:30 Uhr. Doch bereits zur Mittagszeit war ich eigentlich nicht mehr so recht ansprechbar. Das mit dem Stadtbrandmeister, dem Ortsbrandmeister, deren Stellvertretern, einigen Feuerwehrkameraden, meiner Mutter und meiner Freundin auch noch hochrangiges Publikum anwesend war, machte die Sache nicht einfacher. Im Gegenteil, hätte ein Arzt meinen Blutdruck gemessen, ich wäre postwendend ins nächste Krankenhaus befördert worden.

 

Aber ich erwähnte es schon: Es gab kein zurück mehr.

 

Der Starttermin war da. Schnell noch den Helm angepasst, das Atemschutzgerät geschultert und nochmals nervös auf und ab gegangen. Dass die Übungen in Einsatzmontur und mit geschultertem Atemschutzgerät absolviert werden mussten, erhöhte noch den Schwierigkeitsgrad

 

 

Oh nein, gummierte Schläuche. Bekannter weise hat Gummi

einen hohen Reibungswiderstand auf Asphalt!

 

 

Start zur ersten Station: Aufgabe war es, zwei mal vier in Buchten gelegte B-Druckschläuche 80m weit zu ziehen. Die ersten Meter lief es noch ganz gut, aber mit jedem Schritt mehr fragte ich mich, wer verdammt noch mal da hinten die Schläuche festhält. Ab ca der 60 m Marke hatte ich nur noch einen Gedanken: „Wieso hab ich Idiot mich hierzu angemeldet. Wieso habe ich Idiot mich…“ Zur Info: Die Masse der Druckschläuche beträgt etwa 100 kg. Meine Masse 70kg.

 

 

 

 

 

 

 

Wer, verdammt noch mal, steht da hinten auf den Schläuchen?

 

 

 

Ein äußerst unglückliches Verhältnis. Aber irgendwann hatte ich mich bis zum Ende durchgekämpft.

 

Die Schläuche lagen und nun mussten nur noch zwei B-Schläuche aufgerollt werden. Eigentlich eine meiner leichtesten Übungen. Wäre nicht der Sauerstoffmangel in den Lungen und das Gummi in den Beinen gewesen.

Nun hatte ich 15 Minuten Zeit, bis ich bei der nächsten Station starten musste. Der Anfang war leicht, „lediglich“ 100 Hammerschläge mit einem 5kg Vorschlaghammer. Anschließend einen Schaummittelkanister (natürlich voll) durch eine Röhre tragen. Aber es sollte nicht so leicht bleiben. Es wartete ein Schultergewicht von 90 kg darauf, 100 Meter weit getragen zu werden.

 

 

 

 

 

Die Schwerkraft war an diesem Tag wieder besonders hoch!

 

Unglücklicherweise ging es auch noch leicht bergauf. Aber ich konnte während der 100 Metern meinen  Gedanken lauschen „Wieso hab ich Idiot mich hierzu angemeldet. Wieso habe ich Idiot mich…“

Aber auch diese hundert Meter gingen vorüber und nachdem ich das Gewicht los war, fühlte ich mich als könne ich fliegen. Zum Schluss

dieser Station wartete eine drei Meter hohe Eskaladierwand darauf, erklommen zu werden. Überraschenderweise klappte dieses ganz gut. Wieso habe ich das in der Schule nie geschafft wo es Noten darauf gab?

 

 

Eine drei Meter hohe Wand...

wenn man davor steht, wirkt sie noch höher

 

 

 

 

Nach der Wand konnte ich mich wieder 15 Minuten lang erholen, bevor mich die dritte Station erwartete- Zweimal zwei Steckleiterteile alleine anleitern. Laut Feuerwehrdienstvorschrift machen das drei Leute- und normalerweise auch nicht mit geschultertem Pressluftatmer.

 

Anschließend ging es mit zwei (natürlich vollen) Schaummittelkanistern (je ca. 20kg) ins 2. Obergeschoss. Dort musste mit einem Seil ein weiterer Kanister hinaufgezogen werden. Und weil es Spaß macht, mussten die zwei Kanister auch wieder herunter getragen werden. Irgendwie verfolgte mich auch bei dieser Station nur ein einfacher Gedanke „Wieso hab ich Idiot mich hierzu angemeldet. Wieso habe ich Idiot mich…“

 

Mittlerweile schmerzten alle Muskeln im Körper und auch der Sauerstoffnachschub klappte nicht so recht. Aber die vierte und letzte Station wartete noch: Mit Pressluftatmer den Hermesturm hinauf. Leider nicht mit dem Fahrstuhl. Also noch einmal tief durchgeatmet und los ging es. Die Distanz bis zur Aussichtsplattform des Hermesturms entspricht etwa 20 Stockwerken. Eigentlich sollte es daher ja kein Problem sein, zumal ich regelmäßig im göttinger Rathaus war. Nur war es dort ein guter und breiter Treppenraum.

 

 

 

Ist das Eng hier....

 

 

Im Hermesturm handelte es sich um  eine enge Wendeltreppe ohne Fenster. Bereits nach wenigen Treppenstufen hatte ich vollends die Orientierung verloren und konnte nicht mehr einschätzen, in welcher Höhe ich schon war und wann ich endlich oben sein würde. Der Turm nahm kein Ende. Die Beine schmerzten, die Lunge versuchte vergeblich genügend Sauerstoff aufzunehmen und auch der Rest vom Körper fand den Wettbewerb nicht mehr wirklich lustig. Zumal der eine Gedanke wieder da war: „Wieso hab ich Idiot mich hierzu angemeldet. Wieso habe ich Idiot mich…“ 

 

 

 

 

 

Endlich Tageslicht........

 

 

 

 

 

Nach einer Ewigkeit sah ich Tageslicht und ich war draußen. Ich hatte es geschafft. Körperlich am Ende stand ich an der Aussichtsplattform und genoss den Ausblick auf das Messegelände. Und das schönste war: hinunter ging es mit dem Fahrstuhl…

 

 

 

 

 

 

Wenigstens hat man vom Turm aus eine schöne Aussicht auf

viele, viele Feuerwehrautos!

 

 

 

 

Am Ende hatte es für den 23. Platz in meiner Altersklasse gereicht .Der Pokal für den Gesamtsieger ging verdient an Joachim Potsanz von der BF Göttingen.

Schon auf dem Heimweg stand fest, dass ich nächstes Jahr wieder am TFA-Wettbewerb teilnehmen werde. Diesmal in Mönchengladbach. Auch wenn ich mir Vorstellen kann, dass ich während der Übungen wieder nur einen Gedanken haben werde….

„Wieso hab ich Idiot mich hierzu angemeldet. Wieso habe ich Idiot mich…“