Feuerwehrkameraden der Stadt Hardegsen beim TFA Wettkampf

 

TFA: Toughest Firefighter alive. Zu deutsch: härtester lebender Feuerwehrmann

Bei diesem Wettkampf ist der Name wahrlich treffend, denn die Übungen haben es in sich.

Anders als bei den bekannten Feuerwehrwettbewerben, bei denen es um den Aufbau eines Löscheinsatzes mit einer kompletten Gruppe geht, sind beim TFA Wettkampf Ausdauer, Kraft, Fitness und ein bisschen Verrücktheit gefordert…

mmh, wahrscheinlich sogar eine ganze Menge Verrücktheit!

Der Wettkampf besteht aus 4 Stationen die nacheinander absolviert werden müssen. Gestartet wird in Einsatzjacke, Helm und angelegtem Atemschutzgerät.

 

Zwischen den Übungen hat der Teilnehmer maximal 10 Minuten Zeit um sich zu erholen und den Puls wieder in geordnete Bahnen zu lenken.

Aber dazu später mehr.

 

 

 

 Bei den einzelnen Stationen wird in Feuerwehrschutzkleidung gestartet: Helm, Jacke und Atemschutzgerät. Auf die Einsatzhose und Stiefel darf verzichtet werden. Sieht komisch aus, ist es auch.

 

 

 

 

 

Bereits im letzten Jahr bin ich beim TFA Wettkampf gestartet (TFA 2005). Während der einzelnen Übungen hatte ich mir eigentlich geschworen, bei diesem Wettkampf nicht mehr teilzunehmen. Denn um sich dieser Tortur auszusetzen muss man schon ein wenig Irre sein. Aber wie es mit dem Feuerwehrirrsinn ist: Er ist einfach nicht heilbar und ehe ich mich versehen hatte war die Anmeldung für den Wettbewerb 2006 raus..

 

Also begann im Frühjahr der Endspurt um sich auf die Übungen vorzubereiten. In jeder freien Minute war Ausdauer- und Krafttraining angesagt. Ich wusste ja was mich erwartet. Und das ließ mich nicht wirklich besser schlafen.

Der Tag des Wettkampfes nahte und die Aufregung stieg. Da sich der Wettbewerb in Deutschland immer stärkerer Beliebtheit erfreut, wurden die Teilnehmer so zahlreich, dass ein Wettkampftag nicht mehr ausreichen würde. Also blieb den Veranstaltern zwei Möglichkeiten. Den Wettbewerb an zwei Tagen stattfinden zu lassen, oder immer zwei Teilnehmer gegeneinander antreten zu lassen. Man entschied sich für letzteres.

Nur sorgte dieses nicht unbedingt dafür, mich nun ruhiger schlafen zu lassen.

Als ich am Wettkampftag meinen direkten Gegenspieler sah, war es mit der Ruhe ganz vorbei. Ca 20 cm größer und mindestens 30kg mehr Kampfgewicht. Aber zum kneifen war es jetzt zu spät. Irgendwie musste ich dadurch. Aufgrund der Aufregung und Konzentration war ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr ansprechbar. Ganz zum Leidwesen meiner Verlobten. Nun ja. Das war sie ja schon vom letzten Jahr gewohnt und da musste sie auch durch.

 

 

 

 

 

Kurz vor dem Start: die Nervosität (und auch ein wenig Unbehagen!)

 

 

 

 

Der Start an der ersten Station war gekommen. Schnell die Feuerwehreinsatzjacke zugeknöpft, den Helm aufgesetzt und das Atemschutzgerät geschultert.

Nach dem Startschuss mussten acht Zusammengekuppelte B-Schläuche (je 20m) auf die komplette Länge ausgezogen werden. Die ersten Meter sind noch recht einfach, jedoch wird es mit jedem Schlauch schwerer und spätestens beim dritten Schlauch fragt man sich, wer da hinten auf der Leitung steht. Zum Vergleich: Die acht Schläuche haben eine Masse von ca. 100kg. Mein Gewicht: ca. 70kg.  Ich weiß was sie und denken und sie haben recht: ein recht ungünstiges Verhältnis. Aber irgendwie hatte ich es dann doch geschafft.

Aber: Mein Gegenspieler hatte schon einen kleinen Vorsprung und war  mittlerweile dabei, den ersten von zwei B-Schläuchen aufzurollen.  

 

 

 

 

 

 

Aus dieser Perspektive gut zu sehen: 80 m können seeehr lang werden

 

 

 

 

Angefeuert von Kameraden der Berufsfeuerwehr Göttingen und der Ortswehr Ellierode versuchte ich den Vorsprung einzuholen. Und tatsächlich, dank der Anfeuerungsrufe konnte ich mit zwei Sekunden Vorsprung über die Ziellinie laufen, oder besser gesagt: torkeln. Der Pulsschlag dürfte in einem Bereich gelegen haben, den jeder Sportarzt für „ein wenig“ ungesund eingestuft hätte.

Nun ja, glücklicherweise hatte ich nun 10 min Erholungspause. Nur machte sich nun Einsteins Aussage bemerkbar: „Zeit ist relativ“ und so schnell waren meiner Meinung nach noch nie 10 Minuten vergangen. Ich sah mich am Start zur zweiten Station.

 

 

 

 

Patrick "Patty" Braun bei den Hammerschlägen

 

 

 

Zuerst mussten mit einem 5kg Vorschlaghammer 100 Hammerschläge absolviert , anschließen zwei Schaummittelkanister a 20kg durch eine Röhre getragen und, als wenn das nicht ausreichen würde, ein 90 kg Gewicht einhundert Meter weit getragen werden. Wenn auch diese Tortur überstanden ist, steht eine drei Meter hohe Eskaladierwand vor einem, die überwunden werden will.

 

 

 

 

 

Mit einem 90kg Gewicht auf dem Rücken spürt man jeden Meter.

 

 

 

 

Unter normalen Bedingungen eigentlich kein Problem, aber nach den vorangegangenen Übungen waren die Muskeln bis aufs letzte erschöpft.

Auch diese Übung war irgendwie geschafft. Also ging es weiter zur dritten Station. Nach den, natürlich viel zu kurzen, 10 Minuten Pause waren vier Steckleiterteile anzuleitern. Nach Feuerwehrdienstvorschrift machen dieses im Einsatzfall drei Kameraden. Hier musste es alleine gehen. Also ignorierte ich jegliche FwDV’en und legte los. Hier war weniger das Gewicht ein Problem, Aluminium sei dank, sondern vielmehr die Unhandlichkeit.

 

 

 

Die zweiteilige Steckleiter ist extrem unhandlich (wenn sie denn wie hier alleine getragen werden muss)

 

 

 

 

 

Aber egal. Irgendwann stand auch die Leiter und es ging mit zwei Schaummittelkanistern (immer noch 20kg) ins 2. Obergeschoss. Von dort mussten zwei Schläuche hinaufgezogen werden. Sobald die Schläuche oben waren, ging es mit den Kanistern wieder hinunter. Ja, ich weiß was sie denken und Sie haben recht. Aber wer sagt dass der Wettkampf hundertprozentig logisch sein muss.

 

 

 

 

 

 

Zwei B-Schläuche (ca. 30kg) müssen ins 2. Obergeschoss gezogen werden.

 

 

 

 

Nun Stand die letzte und wahrscheinlich härtest Aufgabe vor meinem Gegenspieler und mir.

Mit angelegtem Atemschutzgerät 16 Stockwerke nach oben laufen. Leider stand der Fahrstuhl nur für die Schaulustigen  zur Verfügung und so musste die Treppe genommen werden.

Der Blick von unten durch das Treppenauge verhieß nichts gutes. Zumindest taten die Beine schon beim Blick von unten nach oben doppelt so weh.

 

 

 

Blick durch das Treppenauge

 

 

 

Startschuss und los ging es. Versuchte ich zuerst noch zwei Stufen auf einmal zu laufen, überzeugten mich meine Beine nach kurzer Zeit davon, jede Stufe einzeln zu nehmen. Die Beine waren einfach von den vorangegangenen Übungen ausgelaugt. Eine Stufe nach der anderen. Stufe für Stufe. Irgendwann muss man schließlich oben sein. Also kurz ein Blick auf die Etagennummer. Stockwerk Nummer 5. Ich war wirklich erst in Stockwerk Nummer 5. Noch 11 Stockwerke lagen vor mir. Und dass, obwohl meine Lungen schon jetzt aus dem letzten Loch pfiffen und der Puls in Regionen lag, die physiologisch gar nicht möglich sein konnten.  Ab Stockwerk 10 schwor ich mir, nie wieder Treppen zu laufen und nur noch den Fahrstuhl zu benutzen. Aber langsam hörte man von oben die Anfeuerungsrufe. Also die letzte Kraft in den Beinen mobilisieren um wenigstens ein gutes Bild auf dem Zielfoto abzugeben. Dummerweise war dort keine Kraftreserve mehr und ich torkelte mehr schlecht als recht die letzten Stufen hinauf.

 

 

 

 

Die letzten Meter können so schmerzhaft sein!

 

 

 

 

 

Auf allen vieren kriechend kam ich oben an und konnte endlich verschnaufen. Endlich die Folter überstanden. 

Langsam beruhigte sich der Puls und aus dem jappsen wurden wieder klare, halbwegs gut artikulierte Worte. Der Blick auf die Gesamtzeit ließ mich die Schmerzen vergessen. Ich konnte meine Zeit gegenüber dem letzten Jahr um über eine Minute verbessern.

Noch kurz die Aussicht genießen (das Fußballstadion war von hier oben gut zu sehen) und dann ging es mit dem Fahrstuhl nach unten. Erwähnte ich schon: nie wieder Treppen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Oben zeigten alle Teilnehmer das gleiche Bild: Totale

Erschöpfung!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittlerweise waren viele Wettbewerbsteilnehmer gestartet und es standen die ersten Kameraden der BF Göttingen am Start. Nachdem ich von ihnen tatkräftig mit Anfeuerungsrufen motiviert wurde, konnte ich nun mithelfen, das die Kollegen alles gaben.

Einige von ihnen waren zum ersten mal dabei und daher noch nervöser als ich zuvor. Obwohl, noch  nervöser?  

 

Am späten Nachmittag waren alle Südniedersachsen gestartet und es stand fest, die Sieger in der Einzelwertung und der Mannschaftswertung kommen aus Göttingen.

Joachim Posanz (BF Göttingen) konnte den Titel vom letzten Jahr verteidigen und zusammen mit Thomas Ziaja und Alexander Ruppert ging auch der Mannschaftssieg an das Göttinger Team.

Ebenfalls ausgezeichneten Ergebnissen konnten Patrick „Patty“ Braun und Jörgen Fuchs (beide Ortswehr Ellierode) aufweisen.

 

 

 

 

 

Thomas "Opa" Ziaja am Start. Der garantiert schönste Helm am Start

 

 

 

 

 

Da der Feuerwehrirrsinn wahrscheinlich auch innerhalb des nächsten Jahres nicht heilbar sein wird, werden auch im nächsten Jahr wieder alle Kameraden am Start stehen. Und der Gedanke kurz vorm Start wird wie jedes Jahr recht eindeutig sein:

 

 

„Wieso hast du Idiot dich zu dieser Sch…. angemeldet?!?“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An dieser Stelle möchte ich mich bei Eva und Thomas Ziaja für die gute Vorbereitung auf den Wettbewerb bedanken. Ohne die vielen Trainingsstunden in der Fitness-Tenne Ellierode wäre ich wahrscheinlich nicht am Ziel angekommen… zumindest nicht selbstständig laufend.

Und natürlich gehört besonderer Dank Sarah Wolter und den vielen Schlachtenbummlern die uns aus der Heimat gefolgt waren um für die richtige psychologische Motivation zu sorgen.

 

 

 

 

 

 

Aufstellung nehmen zum Siegerfoto. Die Teilnehmer aus Hardegsen, Ellierode und der BF Göttingen zusammen mit dem Fanclub!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Abend nach dem Wettkampf: So gut hat noch nie eine Pizza geschmeckt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

An dieser Stelle bedanken wir uns bei Roland Schrader für die Berichterstattung und die Bereitstellung dieses Fotos.