Die Vogelgrippe

1. Was ist die Vogelgrippe?
"Vogelgrippe" ist der eher in der Umgangssprache gebräuchliche Ausdruck für Geflügelpest oder aviäre Influenza und bezeichnet eine Erkrankung von Vögeln durch Vogel-Influenza- bzw. Vogelgrippe-Viren).
Bei Vögeln können verschiedene Grippeviren (Influenza A-Virus-Subtypen) vorkommen und zu unterschiedlich schweren Krankheitsbildern führen. Die schwer verlaufenden Erkrankungen werden durch Influenza A-Viren der Untertypen H5 und H7 verursacht. Das aktuelle Vogelgrippevirus ist das Influenza A H5N1-Virus.
Seitdem beobachtet wurde, dass die bei Vögeln vorkommenden Grippeviren auch Erkrankungen bei Menschen hervorrufen können, werden auch menschliche Erkrankungen durch diese Viren als Vogelgrippe bezeichnet. Seit Ende des Jahres 2003 sind in Südostasien und China und seit Anfang 2006 auch in der Türkei rund 160 Erkrankungsfälle bei Menschen beobachtet worden (Stand 15.01.2006). In Asien ist etwa die Hälfte der an Vogelgrippe Erkrankten an der Infektion gestorben.
 

2 . Was ist die Geflügelpest?
Bei der Geflügelpest handelt es um eine Vogelkrankheit, die schon seit mehr als 100 Jahren in Europa bekannt ist und vor allem Geflügelbestände befällt. In den vergangenen Jahrzehnten wurden in Europa acht größere Ausbrüche bei Geflügel  beobachtet. Übertragen wird die Geflügelpest durch bestimmte Influenzaviren (= Grippeviren). Daher kommt auch die umgangssprachliche Bezeichnung "Vogelgrippe". Je nach Virustyp kommt es zu milderen oder schwereren Erkrankungen bei Vögeln. Bei manchen Viren beträgt die Sterblichkeit der erkrankten Vögel fast 100%.
Seltener kann diese Krankheit auch auf Säugetiere oder Menschen übertragen werden und zu einem grippeähnlichen Krankheitsbild führen.
International und wissenschaftlich wird diese Krankheit als "aviäre Influenza" bezeichnet.
 

3. Was ist aviäre Influenza?
Aviäre Influenza ist die wissenschaftliche und internationale Bezeichnung für Vogelgrippe.
 

4. Wie wird die Vogelgrippe übertragen?
Vögel scheiden das Vogelgrippe-Virus – in diesem Fall Influenza A/H5N1 – mit dem Kot aus und übertragen die Krankheit so auf andere Vögel. Bei der Übertragung auf den Menschen stellen das Einatmen von mit dem Vogelgrippevirus verunreinigten Staubpartikeln oder eine mangelnde Händehygiene nach Kontakt mit verseuchten Tieren, deren Federn oder Fleisch vermutlich die hauptsächlichen Übertragungswege dar.
 

5. Wie kann man sich mit Vogelgrippe anstecken? Wer kann sich mit Vogelgrippe anstecken?
Menschen können sich in aller Regel nur sehr schwer mit Vogel-Influenzaviren anstecken. Da es sich in erster Linie um eine Vogelkrankheit handelt, wird die Krankheit von kranken (oder auch bereits verstorbenen) Vögeln auf andere Vögel mit deren Ausscheidungen (Kot) übertragen. Soweit bekannt, hatten alle bisher erkrankten Menschen direkten Kontakt zu infiziertem bzw. erkranktem Geflügel oder deren Federn etc. Aus diesem Grund sind auch in erster Linie Geflügelhalter, Tierärzte und Menschen anderer Berufsgruppen gefährdet, die häufigen und direkten Kontakt zu Geflügel oder anderen lebenden oder toten Hühnervögeln haben.
 

6. In welchen Ländern gibt es die Vogelgrippe?
Die zur Zeit verbreitete Form der Vogelgrippe durch das Influenza A/H5N1-Virus ist seit Ende des Jahres 2003 hauptsächlich in Asien aufgetreten. Seit Herbst 2005 wurden auch Infektionen bei Vögeln in einigen süd- und osteuropäischen Ländern bekannt. Anfang des Jahres 2006 sind die ersten menschlichen Erkrankungen in der Türkei aufgetreten. Eine aktuelle Übersicht über die Länder, in denen das Vogelgrippevirus Influenza A/H5N1 nachgewiesen wurde, zeigt eine Internetseite der Europäischen Union.
 

7. Wie wird die Vogelgrippe diagnostiziert?
Der Verdacht auf eine Erkrankung durch das Vogelgrippevirus besteht bei Menschen, die sich a) in Regionen aufgehalten haben, in denen es nachweislich Vogelgrippe-Erkrankungen gibt, die b) Kontakt zu infiziertem oder erkrankten Vögeln hatten und c) die entsprechenden klinischen Symptome (siehe Krankheitsbild) aufweisen. Mit Hilfe eines Schnelltestes kann dann zunächst geprüft werden, ob es sich um eine Infektion mit einem Influenza A-Virus handelt. Zur Bestätigung, ob es sich tatsächlich um das die Vogelgrippe verursachende Virus Influenza A/H5N1 handelt, werden dann weitere Laboruntersuchungen vor Ort und in Speziallaboren durchgeführt.
 

8. Zu welchem Krankheitsbild führt eine Infektion mit dem Vogelgrippe-Virus?
Eine Ansteckung mit dem Influenza A/H5N1-Virus, dem so genannten Vogelgrippe-Virus, führt zu einem Krankheitsbild, das einer Grippe (Influenza) sehr ähnlich ist. Im Vordergrund stehen hohes Fieber, Husten, Atembeschwerden (Dyspnoe) und Halsschmerzen. Kennzeichnend ist, dass diese Beschwerden sehr plötzlich einsetzen und von einem schweren Krankheitsgefühl begleitet werden. Daneben können Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auftreten. Bei einem Teil der Erkrankten kann es zu schweren Krankheitsverläufen mit Lungenentzündung (Viruspneumonie), Lungenversagen, Multiorganversagen und tödlichen Verläufen kommen.
 

9. Wie wird eine Erkrankung behandelt?
Eine Erkrankung an aviärer Influenza (Vogelgrippe) kann mit so genannten Neuraminidasehemmern, wie Oseltamivir und Zanamivir behandelt werden. Diese Medikamente sollen verhindern, dass sich das Virus im Körper ausbreitet und so den Verlauf der Erkrankung mildern. Oseltamivir und Zanamivir sollten unter ärztlicher Aufsicht bzw. im Krankenhaus verabreicht und möglichst bald nach Einsetzen der Beschwerden und Bestätigung der Diagnose, möglichst innerhalb der ersten 48 Sunden, eingenommen werden. Daneben wird symptomatisch, z.B. mit Mitteln gegen Fieber, Schmerzen, Husten oder Kreislaufprobleme behandelt.
 

10. Wie gefährlich ist die Vogelgrippe?
Die Vogelgrippe ist eine vor allem für Hühnervögel (Hühner, Puten, Fasane u.a.) gefährliche Krankheit. In Einzelfällen kann es auch zu einer Übertragung der aviären Influenzaviren auf Säugetiere und den Menschen kommen. Dies setzt jedoch einen engen Kontakt zwischen einem infizierten bzw. erkrankten Vogel und Tier bzw. Mensch voraus. Deshalb besteht das größte Ansteckungsrisiko für Menschen, die beruflichen Kontakt zu Geflügel haben oder Geflügelhalter sind. Aus Südostasien und der Türkei sind im Verlauf von mehr als zwei Jahren ca. 160 menschliche Infektionen gemeldet worden (Stand 15.01.2006). In Südostasien ist etwa die Hälfte der an Vogelgrippe Erkrankten an der Infektion gestorben. Bei den kürzlich aus der Türkei bekannt gewordenen Erkrankungen scheint der Verlauf etwas weniger schwer zu sein. Aktuelle Erkrankungszahlen werden regelmäßig von der Weltgesundheitsorganisation WHO veröffentlicht

11. Kann man sich gegen die Vogelgrippe impfen lassen?
Nein. Der normale Influenza-Impfstoff zur Vorbeugung der menschlichen saisonalen Grippe schützt nicht vor der Vogelgrippe (aviären Influenza).
Trotzdem ist eine Influenzaimpfung zu empfehlen - insbesondere auch bei einem geplanten Aufenthalt in Regionen in denen das Vogelgrippe-Virus nachgewiesen wurde.
Damit kann in den meisten Fällen eine Grippeerkrankung vermieden werden, die bei Aufenthalt in von Vogelgrippe betroffenen Ländern oder bei Rückkehr nach Deutschland fälschlicherweise mit einer Vogelgrippe verwechselt werden könnte.
Darüber hinaus ist es wichtig, eine gleichzeitige Infektion mit menschlichen und tierischen Influenza-Viren zu verhindern, um damit der Entwicklung eines neuen, sich möglicherweise weltweit ausbreitenden Influenza-Virus entgegenzuwirken.
An einem neuen, auch gegen Vogelgrippe wirksamen Impfstoff für den Menschen wird intensiv gearbeitet.
 

12. Wie kann ich mich vor einer Ansteckung schützen?
Bei Aufenthalt in von Vogelgrippe-Ausbrüchen betroffenen Ländern oder Regionen besteht die wichtigste Vorbeugemaßnahme darin, Kontakt zu lebendem oder totem Geflügel zu vermeiden. Insbesondere sollten keine Vogel- oder Geflügelmärkte besucht werden.
Das Virus wird durch Erhitzen bei mindestens 70°C abgetötet. Diese Temperatur muss beim Kochen oder Braten im Innern des Fleisches oder des Eies erreicht werden. Nach heutigem Wissensstand ist der Verzehr von so zubereiteten Geflügelgerichten und Eiern unbedenklich. Die Möglichkeit einer Übertragung durch rohe Geflügelprodukte wird vermutet. Generell wird bei Aufenthalt in Ländern mit Vogelgrippe als Vorsichtsmaßnahme eine gründliche Händehygiene empfohlen.
Eine Mitnahme des Medikaments Oseltamivir wird für den normalen Reisenden gegenwärtig nicht empfohlen.
Aktuelle Hinweise für Reisende und spezielle Empfehlungen bei längerem, beruflichem Aufenthalt in betroffenen Ländern finden Sie auf den Seiten des Auswärtigen Amtes.
 

13. Kann ich bedenkenlos Geflügelprodukte essen?
Zum jetzigen Zeitpunkt ist Deutschland frei von Vogelgrippe. Außerdem wurden Maßnahmen erlassen, um die Gefahr eines Ein- und Verschleppens des Vogelgrippe-Virus über Lebensmittel oder Geflügel aus von Vogelgrippe betroffenen Ländern zu minimieren. Unter Beachtung der üblichen hygienischen Maßnahmen wie sorgfältige Reinigung der Arbeitsmittel vor und nach der Zubereitung der Speisen und gutes Durchgaren von Eiern und Geflügel, können diese Lebensmittel ohne Einschränkungen, gekauft und verzehrt werden. Influenzaviren werden durch Kochen bzw. längeres Erhitzen (mindestens 30 min) mit Temperaturen über 70°C  inaktiviert, so dass bei gut durchgegarten Speisen oder Geflügelprodukten keine Infektionsgefahr besteht.
Grundsätzlich kann eine Übertragung des Erregers über infizierte Lebensmittel jedoch nicht ausgeschlossen werden, so dass bei Reisen in von Vogelgrippe betroffene Länder oder Regionen insbesondere auf rohe Geflügelprodukte verzichtet werden sollte. Weitere Hinweise finden Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Risikobewertung BfR.
 

14. Was ist bei Auslandsreisen zu beachten?
Derzeit gibt es keine Warnung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Reisende. Reisende sollten in den von Vogelgrippe-Ausbrüchen betroffenen Ländern Tiermärkte und Geflügelfarmen meiden, da die größte Gefahr von den Ausscheidungen der erkrankten Tiere ausgeht. Bei gut durchgegarten Speisen oder Geflügelprodukten (das Fleisch darf nicht mehr rosa sein) besteht keine Infektionsgefahr. Aktuelle Informationen für Reisende sind auf den Seiten des Auswärtigen Amtes einzusehen.
 

15. Was bedeutet H5N1?
Das Influenza A/H5N1-Virus ist ein ganz bestimmtes unter einer ganzen Reihe von Influenza- bzw. Grippeviren.
Aufgrund unterschiedlicher molekularer und serologischer Eigenschaften werden Influenza- bzw. Grippeviren vom Typ A, B und C unterschieden. Insbesondere der Influenzavirustyp A kann zu seuchenhaften Erkrankungen bei Menschen und Tieren führen.
Grippeviren vom Typ A enthalten auf ihrer Oberfläche bestimmte Eiweiße, die als Hämagglutitin und Neuramidase bezeichnet werden. Bisher kennt man 16 verschiedene H- und 9 verschiedene N- Subtypen. Das die Vogelgrippe verursachende Virus trägt auf seiner Außenhülle das Hämagglutinin H 5 und die Neuramidase N 1 und wird deshalb als H5N1-Virus bezeichnet.

 

16. Verhaltensmaßnahmen bei Auffinden verendeter Wildvögel in Niedersachsen

Telefonnummern von Ansprechpartnern und Empfehlungen für das Vorgehen beim Auffinden von verendeten Wildvögeln können Sie hier herunterladen. -> Merkblatt (100kb)

Mit freundlicher Unterstützung :NLGA Niedersächsiches Landesgesundheitsamt