39. Stockwerke aufwärts

(Die Hauptdarsteller)

 

Normalerweise nutzen Menschen einen Aufzug, wenn es darum geht, das 39. Stockwerk eines Hochhauses zu erreichen. Das ist bequem und funktioniert meistens recht schnell.

Am Pfingstmontag zeigten 160 Feuerwehrleute aus ganz Europa, das man auch anders nach oben kommen kann: zu Fuß!

An diesem Tag fand im Berliner „Park Inn“ Hotel am Alexanderplatz die 2. Internationale Deutsche Meisterschaft der Feuerwehr im Treppenlauf statt. Ausgerüstet mit kompletter Feuerwehrschutzkleidung, sowie geschultertem und angeschlossenem Atemschutzgerät musste in zweier Teams bis ins oberste Stockwerk gelaufen werden.

 

 

 

 

80 Teams aus ganz Europa am Start

 

 

 

Mit dabei : Feuerwehrleute aus Hardegsen und Ellierode. Aber wie kommt man bei gesundem Menschenverstand dazu, freiwillig 39 Stockwerke nach oben zu rennen, obwohl ein funktionierender Fahrstuhl vorhanden ist?

Es begann so:

Bereits im Vorjahr sind Thomas „Opa“ Ziaja und Stefan Hamel von der Berufsfeuerwehr Göttingen beim Treppenlauf in Berlin gestartet. Neugierig von deren Erzählungen wurde der Ergeiz der Ellieröder und Hardegser Feuerwehrkameraden geweckt und so meldeten sich David Ziaja und Carsten Schütte für die Feuerwehr Ellierode an. Aus Hardegsen konnten Anja Riehn und Jörg Schütrumpf einen Startplatz sichern. Nachdem die Teilnahme geklärt war, musste sich noch speziell auf den Wettkampf vorbereitet werden. Die körperliche Fitness war zwar bei allen vorhanden, aber Joggen, Biken, Fußball und Fitnesstraining sind die eine Sache: Mit 20kg schwerer Ausrüstung Treppen bis zur totalen Erschöpfung zu steigen eine ganz andere. Also wurde das Training umgestellt: Nun wurden regelmäßig am Sportplatz Runden in kompletter Feuerwehr-Schutzkleidung gedreht, im ellieröder Fitnessstudio „Fitness Tenne“ mit angeschlossenem Atemschutzgerät die Stepper benutzt und im Göttinger Rathaus hat sich zum Schluss auch niemand mehr über die vielen Feuerwehrleute gewundert, die im Treppenraum auf und ab gelaufen sind.

Nach langem Training war der Wettkampftag da und früh morgens machten wir uns auf den Weg in das 350km entfernte Berlin. Navigationsgerät sei dank, trafen wir am Alexanderplatz ein. Nun kam in uns das ein oder andere flaue Gefühl in der Magengegend auf. Irgendwie sahen die 39 Stockwerke des Park-Inn Hotels „etwas“ höher aus als die 15 Stockwerke des Göttinger Rathauses. Aber zum kneifen war es zu spät. Also Augen zu und durch.

 

 

 

 

 

Das Park Inn Hotel: 39 Stockwerke!

 

 

 

 

 

 

 

Die Nervosität stieg exponential mit den Temperaturen auf dem Alexanderplatz. Nach scheinbar endloser Zeit war der Moment des Wettkampfes gekommen. Nur noch die Startnummer an der Kleidung anbringen, das Atemschutzgerät aufsetzen und die letzten Atemzüge an der frischen Luft genießen, bevor es dann nur noch gefilterte Luft aus den Atemschutzflaschen gab.

 

 

Die letzten Vorbereitungen!

 

 

Gestartet wurde in Abständen von 30 Sekunden. Alle halbe Minute startet ein Zweier-Team einer Feuerwehr und begab sich auf den mühsamen Weg nach oben. David Ziaja und Carsten Schütte starteten im Mittelfeld, während wir, das Hardegser Team, als vorletzte Mannschaft an den Start gingen. Der Moderator zählte den Countdown herunter und angefeuert von den vielen Schaulustigen, den mit angereisten Lebenspartnern, sowie von Stadtbrandmeister Hans Werner Vogt, dem Hardegser Ortsbrandmeister Klaus Riehn und dem stellv. Ellieröder Ortsbrandmeister Matthias Winkler begann die fast 10 minütige Qual.

 

 

 

 

Die ersten Stockwerke stellten noch keine besondere Herausforderung da. Das Training hatte offensichtlich etwas gebracht. Aber nach kurzer Zeit forderte die Schwerkraft ihren Tribut und mit Stockwerk um Stockwerk wurden die Beine schwächer und die Knie wackeliger. Irgendwo um zwischen Stockwerk 10 und 15 fingen wir dann an, den Tag der Anmeldung zu verfluchen.  Langsam, gaaaanz langsam erklommen wir Stockwerk um Stockwerk. 15, 16, 17, und kein Ende in sicht. Im 20. Stockwerk versuchten Cherleaderinnen die Motivation wieder aufzubauen, aber selbst Mädchen in kurzen Röcken und Staubwedeln in der Hand konnten in uns keine Begeisterung hervorrufen. Gefühlte 2 Stunden später waren wir dann im 25. Stock angekommen. Die Lunge hechelte, schrie nach Luft, das Herz erreichte geschätzte 2000 Schläge die Minute und das Gehirn schaltete auf Notbetrieb. Der einzige Vorteil: Seit dem 20. Stockwerk konnten wir rückwärts zählen. Naja, wenigstens ein kleiner Motivationsschub.

 

 

 

 

 

Halbzeit im 20. Stock

 

 

 

 

Mittlerweile waren die Atemschutzgeräte zu 2/3 leer und wir nährten und dem 35. Stockwerk. Wahnsinn: Innerhalb von 35 Stockwerken hatten wir fast 1200l Atemluft aufgebraucht. Ein Verbrauch den man bei körperlicher Arbeit normalerweise erst nach 25-30 Minuten erreicht. Aber es lagen immer noch vier Stockwerke vor uns. Also die letzten Kräfte in den Muskeln mobilisieren und versuchen, wenigstens ein halbwegs gutes Finish Foto zu schaffen. Aber bis zum Ziel trennten uns immer noch drei Stockwerke. Real: drei Stockwerke, gefühlt dreihundert! Am vorletzten Stockwerk konnten wir Tageslicht sehen und das letzten Quäntchen Energie wurde von unwichtigen Funktionen des Körpers, wie z.B. Gehirn, Verstand und Gleichgewichtssinn abgezogen und in die Beine geleitet. Dann endlich hatten wir die Aussichtsplattform im 39. Stock erreicht und das Ziel in Sicht…..und schon wieder Chearleaderinnen mit ihren wedelnden Staubwedeln. (Als wenn man in dieser Lage einen Blick dafür hätte!!!) Mehr stolpernd als laufend fielen wir über die Ziellinie. 770 Stufen waren geschafft!

 

 

 

 

 

Endlich oben!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Helfende Hände entledigten uns von Atemschutzmaske, Atemschutzgerät und Schutzkleidung. Endlich wieder frische Berliner Luft!

Nach einigen Minuten beruhigte sich der Pulsschlag, die Atmung ging auf gesunde Werte zurück und die Gehirnfunktionen setzen langsam wieder ein.

Endlich oben! Endlich im 39.Stockwerk! Noch ein letztes Erinnerungsfoto und es konnte wieder nach unten gehen.

 

 

 

Diesmal aber mit dem Fahrstuhl!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Feuerwehr Hardegsen, Feuerwehr Ellierode und Berufsfeuerwehr Göttingen beim Siegerfoto!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stadtbrandmeister Hans Werner Vogt und Ortsbrandmeister Klaus Riehn ließen es sich nehmen und kamen zum gratulieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interessante Links zum Skyrun:

www.Skyrun-Berlin.de

 

www.tfa-berlin.de