Technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen –
Ein weiterer Schwerpunkt der Feuerwehrarbeit
Der Begriff Feuerwehr steht an sich für den abwehrenden Brandschutz. In den frühen Jahren der Feuerwehren waren der Brandschutz und die Brandbekämpfung die einzige Aufgabe die die Retter zu erfüllen hatten.
Geschehen leider immer wieder: Schwerste Verkehrsunfälle.
Im laufe der Jahre hat sich das Aufgabenbiet gewandelt. Heutzutage ist der Brandschutz nur eine kleine Aufgabe unter vielen. Im Jahre 2005 waren über zwei Drittel der Einsätze technische Hilfeleistungen, nur ein Drittel waren klassische Brandeinsätze. Im Jahre 2007 standen 47 Hilfeleistungen (davon 9 schwere Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen) 4 Brandeinsätzen gegenüber
Verkehrsunfälle nehmen durch die gestiegene Mobilität und die immer größer werdende Anzahl an Kraftfahrzeugen stetig zu. Glücklicherweise sinkt seit Jahren die Anzahl der getöteten und schwerstverletzten Verkehrsteilnehmer. Dieses ist den Bemühungen der Fahrzeugbauer zu verdanken, die die Fahrzeuge stetig sicherer gestallten und somit helfen, die Folgen bei Unfällen zu vermindern. Unfälle, die vor Jahren noch den Tot des Fahrzeuglenkers zur Folge gehabt hätten, gehen heutzutage meistens mit nur leichten Verletzungen aus.
Der Notarzt wird in besonders dringenden Fällen mit dem Rettungshubschrauber eingeflogen.
Christoph 44 im Anflug.
Airbags, Seitenaufprallschutz, Gurtstraffer, Bremsassistenten, ESP, IDS, ABS, und weitere elektronische Hilfsmittel helfen Unfälle zu vermeiden, bzw. die Folgen eines Unfalles weitestgehend zu mindern.
Aber auch alle Hilfsmittel und Unterstützungswerkzeuge der Fahrzeughersteller können keinen perfekten Schutz bieten.
Kommt es zu einem Verkehrsunfall bei dem die Fahrzeuginsassen schwer verletzt und womöglich im Fahrzeug eingeklemmt werden, so steht der Feuerwehr modernes und leistungsfähiges Gerät zur Verfügung, um den Verletzten patientenschonend aus dem Fahrzeugwrack zu befreien. Dieses ist auch notwendig, denn die immer stabiler werdende Fahrgastzelle stellt höchste Ansprüche an die Gerätschaften der Feuerwehr.
So ist es mit einer älteren Rettungsschere, die vor wenigen Jahren noch jedes Fahrzeugteil zertrennen konnte, nicht mehr möglich die Fahrzeugtür eines modernen verunfallten KFZ zu öffnen.
Wenn es Notwendig ist, wird die Strasse komplett gesperrt und der Verkehr umgeleitet
Wie läuft so eine technische Rettung im Detail ab?
Wird ein Unfall über den Notruf 112 der Einsatzleitstelle gemeldet, so alarmiert diese über Funkmeldeempfänger den zuständigen Rettungsdienst, sowie die am nächsten gelegene Feuerwehr die über einen Hilfeleistungssatz verfügt. Nach ca. 5 bis maximal 10 Minuten sind Rettungsdienst, Polizei und Feuerwehr vor Ort und können mit den Rettungsmaßnahmen beginnen. Um Folgeunfälle zu vermeiden, wird als erstes die Unfallstelle abgesichert. Dieses kann von einfachem absichern mit Verkehrsleitkegeln und Warndreiecken bis hin zur kompletten Sperrung der Strasse reichen. Hier gilt Safety first und eventuelle Unannehmlichkeiten anderer Verkehrsteilnehmer werden hier in kauf genommen.
Nachdem der Verkehrsraum gesichert ist, werden alle benötigten Gerätschaften auf einem Ablageplatz sortiert. Dieses garantiert den schnellen Zugriff auf die Geräte.
Ist der Verkehrsraum abgesichert, so wird das verunfallte Fahrzeug stabilisiert um es gegen wegrutschen oder ruckartigen Bewegungen zu sichern. Jede weitere Bewegung oder Erschütterung am Fahrzeug kann eventuelle Verletzungen der Insassen verschlimmern.
Zur Stabilisierung des Fahrzeuges werden z.B. auch Leiterteile eingesetzt. Hier gut zu sehen: Die Einsatzkräfte sprechen das weitere Vorgehen ab.
Im Anschluss wird am Fahrzeug eine Zugangsöffnung geschaffen, so dass der Notarzt den Patienten versorgen und stabilisieren kann. Erst wenn der Notarzt seine Zustimmung erteilt, wird seitens der Feuerwehr mit der Befreiung begonnen. Hierzu wird das Fahrzeug Stück für Stück zerlegt. Türen werden entfernt, das Fahrzeugdach aufgeschnitten, Dachholme abgetrennt, Lenkrad und Pedale zur Seite gebogen und, wenn es Notwendig ist, das gesamte Fahrzeug auseinander gespreizt um den eingeklemmten Fahrzeuginsassen zu befreiten. Sprichwörtlich kann man sagen dass der Insasse nicht aus Fahrzeug befreit wird, sondern das Fahrzeug wird vom Insassen entfernt.
Nachdem der Notarzt den Patienten stabilisiert hat, wird das Fahrzeug geöffnet.
Dieses Aufwändige Verfahren hilft, den verletzten Fahrzeuginsassen schonend zu retten und Verletzungen nicht noch weiter zu verschlimmern.
Der Rettungszylinder dient zum spreizen von Fahrzeugteile. Hier gut zu sehen: Das Fahrzeug wird komplett vom Fahrzeuginsassen entfernt.
Welches Gerät steht der Feuerwehr zur Verfügung?
Zur technischen Hilfeleistung werden viele unterschiedliche Gerätschaften eingesetzt. Angefangen von einfachen Holzbohlen zum Unterbauen der Fahrzeuge, über Brechstangen, Leiterteile bis hin zu Glasssägen zum Öffnen von Windschutzscheiben sowie Hebekissen zum sichern des Fahrzeuges.
Die wohl am ehesten mit dem Begriff der technischen Hilfeleistung in Verbindung gebrachten Hilfsmittel wollen wir hier kurz Vorstellen:
Hydraulische Rettungsschere
Hierbei handelt es sich um eine hydraulisch betriebene Schere die vorwiegend dazu dient, Metallteile zu trennen um Unfallopfer zu befreien oder Platz für die Rettung zu schaffen.
Die Schneidkraft der in Hardegsen vorhandenen Rettungsschere S260 reicht aus, um z.B. ein bis zu 32mm starkes Rundeisen zu zerschneiden.
Rettungsschere und Spreizer für die technische Hilfeleistung
Hydraulischer Spreizer
Der Einsatzbereich erstreckt sich vom Auseinanderspreizen von Autoblechen, über das Anheben kleinerer Lasten, bis hin zum Zusammendrücken von Autoteilen.
Der in Hardegsen eingesetzte Spreizer SP40 hat eine Spreizkraft von bis zu 40kN an der Spitze der Spreizarme, bzw. eine Kraft von bis zu 100kN im hinteren Arbeitsbereich.
Rettungszylinder
Mittels Rettungszylinder können Fahrzeugteile auseinander gespreizt werden. Die Zylinder können bis zu einer Länge von 850 bzw. 1250mm auseinander gespreizt werden. Hierbei entwickeln sei eine Kraft von 120kN.
Der Rettungszylinder dient zum spreizen von Fahrzeugteilen.

Neben dem Rettungszylinder gut zu sehen: Der Schwelleraufsatz und die Glassäge
Airbag-Sicherung
Moderne Airbagsteuergeräte sind mittlerweile so intelligent geworden, dass diese
nur die Airbags im Fahrzeug auslösen die die Passanten vor Verletzungen
schützen.
So werden bei Seitenaufprällen die Frontairbags im Regelfall nicht
ausgelöst.
Bei einem Seitenaufprall löst unter umständen nur der Seiten- oder Kopfairbag aus.
Auf diesem Bild gut zu sehen.
Ebenso bei Überschlägen kann die Steuereinheit erkennen, dass das
Auslösen der Luftkissen keinen zusätzlichen Schutz bringt.
Angelegte Airbagsicherung. Löst der Airbag nun versehentlich aus, kann sich dieser nicht aufblasen.
Dieses stellt die Retter jedoch vor ein Problem: Hat der Airbag ausgelöst so besteht keine Gefahr mehr. Ist das Luftkissen jedoch noch zusammengefaltet im Aufbewahrungsfach, so kann dieser durch Erschütterungen oder Arbeiten am Fahrzeug unbeabsichtigt auslösen. Dieses kann schwere Verletzungen sowohl beim Fahrzeuginsassen als auch bei den Rettungskräften verursachen
Um diese Gefahr zu minimieren werden Airbagrückhaltesysteme an den unausgelösten Airbags angebracht. Dieses verhindert dass sich der Luftsack aufblasen kann.